Irgendwie habe ich vergessen vom Weihnachtsessen zu berichten.
Die Vorspeise bestand aus Langustenschwänzen in Kressesuppe. Reste des Langustenschwanzes landete dann am nächsten Tag in einen Poor boy (bzw. Po´boy) Sandwich, man hätte es aber auch Rich boy nennen können, der Rest landete im Magen einer sehr gefräßigen getigerten Hausbestie, die dem anderem schwarzweißem nichts übrig gelassen hatte.

Suppe als Vorspeise mag zwar langweilig klingen, ist aber eine aufwändige Angelegenheit. Am Tag vor dem großen Essen, bereitete ich bereits den Krebsfond zu. Ich hatte ja schon lange vor über Glutamat – der neuen Gefahr aus dem Kochtopf – zu schreiben. Allerdings gibt es genügend Lebensmittel, in denen Glutamat, bzw. Glutaminsäuren enthalten sind. Vor allem in Eiweißverbindungen treten sie auf, in Algen, in Tomaten, Pilzen, Bohnen und Parmesan. Wer eine Glutamatunverträglichkeit angeboren hat, sollte wohl auch diese Lebensmittel etwas meiden, allerdings kann der Körper wohl natürlich vorkommene Glutamatverbindungen besser umwandeln, als das reine Mononatriumglutamat. Ich möchte damit nur darauf hinweisen, dass eine künstliche Zugabe von Glutamat überflüssig ist, wenn man um die entsprechenden Lebensmittel weiß und sie richtig einsetzt.
In meinen Fondansatz kamen deswegen auch: Die Schalen der Langusten, kleine Krebse, ein ganzer Fisch (den Fischhändler darauf hinweisen, dass man einen Fond machen möchte, dann bekommt man auch eine nicht zu teure Sorte zum auskochen), Selleriewurzel und Stangen, 1-2 Möhren und Pastinaken (geben Süße ab), 1-2 Stangen Lauch, 4 Tomaten, 3-4 Champignons, Schalotten, ein Kräuterbund bestehend aus: Zitronenthymian, Petersilie, eventuell Dill, eventuell Estragon, die man in Lorbeerblätter wickelt, dass es aussieht wie eine kleine grüne Zigarre, Zitronenschale, Korianderkörner, Pfefferkörner, 2-3 Pigmentkörner, etwas Fenchelsaat. Das ganze wird mit Wasser und Weißwein aufgesetzt und eine gute Handvoll Meersalz dazugegeben, ich hab es dann ca. eine Stunde kochen lassen. Einige Kochbücher sagen, man soll Fischfond nicht zu lange kochen lassen, allerdings handelt es dabei um einen klaren, weißen Fond, den man für die hellen Suppen verwendet, ich wollte aber einen kräftigen Fond für eine Krebssuppe, weswegen auch Möhren hinein durften. Wer es nicht so kräftig mag, lässt die Tomaten, die Möhren und Pastinaken und die Pilze weg. Nach einer Stunde gießt man die Brühe ab, kocht diese zu einer gallertartigen Konsistenz ein und stellt sie für den nächsten Tag in den Kühlschrank oder (wenn der Winter es hergibt) nach draußen, gut verschlossen vor Haus- und Umgebungsbestien. Die Reste der Suppe kann man natürlich auch noch essen, z.B. den Fisch. Bei mir war der jedoch ziemlich stark verkocht, einige Reste bekam Franz, der Igel, der sich noch nicht eingeigelt hatte für den Winter, nach draußen gestellt. Jeder sollte ein bisschen was vom Weihnachtsessen haben
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Der Rest der Zubereitung ist denkbar einfach: der konzentrierte Fond wird mit Sahne und Kresse und Petersilie angesetzt, püriert, abgeschmeckt und mit ausgelöstem Langustenfleisch garniert.
Als Hauptspeise servierte ich Lammfilets mit roter und grüner Mojo und Schrumpelkartoffeln. Für die Schrumpelkartoffeln braucht man sehr viel Meersalz. Man muss die Kartoffeln lange nach dem Abgiessens des gesättigten Wassers ausdämpfen lassen, dann sind sie mit einer feinen Salzschicht überzogen und erinnern ein wenig an an das Gesicht einer alten Frau. Die grüne Mojo besteht als Koriandergrün und Petersilie, die man mit Öl, Salz, Zitronensaft und Knoblauch püriert. Für die rote Mojo braucht man:
rote Spitzpaprika, die man bei 200°C auf ein Ofengitter legt, ab und zu wendet, bis sie ganz schwarz sind. Dann legt man sie in eine Schüssel, gibt ein feuchtes Küchentuch darüber und lässt sie schwitzen. Wenn sie abgekühlt sind, kann man ihnen das Fell über die Ohren ziehen und legt ein leuchtendes rotes Paprikafleisch zu Tage. Auch rote und braune Tomaten (eine sehr süße Sorte!) legt aufgeschnitten in eine Keramikform, gibt braunen Zucker, Salz und Pfeffer und Knoblauch hinzu und lässt diese im Ofen karamellisieren. Man streicht sie durch ein Sieb und würfelt die Paprika klein. Die rote Mojo kann man jetzt noch etwas schärfen, salzen und pfeffern, sie ist am nächsten Tag lecker zu den Langusten, auf einem Sandwich oder als Dipsosse über Tortillas.
Nun zum Dessert – Schwarzwälder Kirsch Reloaded – das hatte sich Mr. B gewünscht. Wir beide lieben die Torte, aber für Torte wäre nach all dem Essen kein Platz mehr gewesen. Ich wollte etwas leichtes machen – allerdings wurde es trotzdem schwer. Der Genuss entschädigt. Ein guter Weihnachtspaziergang sollte danach von jedem guten Arzt verschrieben werden, essen auf eigene Gefahr, man könnte eine Schokoladenüberdosis bekommen.

Für den schwarzen Boden:
200g Mehl
200g dunkles Kakaopulver
7g Backpulver
5 Eier
230 g Butter
280 g Puderzucker
Mark einer Vanilleschote
1 Prise Salz
120 ml Milch
Mehl, Kakao und Backpulver in eine Schüssel sieben. Butter, Vanille, Zucker und Salz schaumig rühren, nach und nach die Eier hinzugeben. Das Mehl und die Milch wechselweise hinzugeben. den Teig gleichmäßig auf ein Backpapier streichen, bei 180°C im Ofen backen, bis der Teig durch ist (mit Zahnstocher prüfen).
Aus dem Teig Kreise ausstechen und diese in der Mitte aufschneiden. Eine dunkle Ganache auf eine Hälfte streichen und mit der anderen wieder zusammenfügen. Die Ganache habe ich mit einer Brise (!) Tonkabohne parfümiert, was ihr einen unwiderstehlichen Duft verleiht.
Am Tag davor hatte ich bereits getrocknete Sauerkirschen in Kirschwasser eingeweicht. Diese haben am nächsten Tag an Größe zugenommen. Diese werden zu einem Mus püriert. In ein Glas wird dann folgendermaßen geschichtet: brauner Boden mit Ganache – Sauerkirschpüree- geschlagene Sahne – Boden- Sahne- Boden. Als Verzierung legte ich jedem Glas ein gewaschenes Lorbeerblatt auf, jedes Glas bekam eine Schleife umgebunden. Dazu gab es ein schnelles Sorbet aus gefrorenen Sauerkirschen, hier darf man mit dem Zucker sparsam sein, da der Kuchen im Glas schon süß genug ist.